Lied des Eckenstehers Nante

Det beste Leben hab ick doch,
ick kann mir nich beklagen,
pfeift ooch der Wind durchs Ärmelloch,
det will ick schon vertragen.
Det Morgens, wenn mir hungern duth,
eß ick ne Butterstulle;
dazu schmeckt mich der Kümmel jut aus meine volle Pulle.

Ein Eckensteher führt uf Ehr
Det allerschönste Leben,
Man friert aujetzt zwar manchmal sehr,
Doch bald is det zu heben.
Von außen hau ick mit de Faust
Mir in de Seit un Rücken,
Un wenn een Schneegestöber saust
Muß Kümmel mir erquicken.

Ick sitz mit de Kam’raten hier,
Mit alle, jroße und kleene;
Beleidigt ooch mal eener mir,
So steck ick ihm gleich eene.
Un drag ick endlich mal wat raus,
So kann ick Jroschen kneifen,
Hol wieder meine Pulle raus
Und duhe eenen pfeifen.

Am Weihnachtsfeste hab` ick Ruh`
Von wegen miener Ollen;
Sie wäscht und plätt`und spült dazu,
Und ick helf manchmal rollen,
Und kommt der Christmarcht erscht heran,
Giebt allgemeinen Frieden;
Sie macht Rosinenmänner dann,
Un ick bau Pergemiden.

Ick seh` manchmal, wenn große Herrn
Hinein in`s Weinhaus gehen,
Da steh` ick denn so still von fern,
Duh uf den Kümmel sehen
Un denk` bei mir: `s is ganz ejal
Ob Wein, ob Schnaps im Glase,
Von beden kricht man allemal
Doch ene rothe Nase.

Ick brauche keen Vergnügen nich`,
Keen Tivoli un Bälle;
Hält mir nur meine Ecke Stick,
Hab ick die schönste Stelle.
Der Kümmel rutscht allene hier,
Verjagt mir jeden Kummer,
Un hab ich diesen stets bei mir,
Blühlt immer meine Nummer.

Komm`ick des Abends nu zu Haus
Will meine Olle brummen;
Da lang ick bloß die Pulle raus,
Un gleich duht sie verstummen.
Sie nimmt `nen Schluck, un das beweist,
Wie schätzenswert die Gabe;
Der Kümmel is mein guter Geist,
Durch den ick Ruhe habe.

Steh` ick so an die Ecke nu
Un scheint die liebe Sonne,
Da Semmel, Hering, Kümmel zu.
Ach det is eene Wonne.
Kommt mir die Wache anmarschiert,
Mit Trommeln un Trompeten,
Da geht, weil das den Nante rührt,
Der letzte Sechser flöten.

Ne, ne, der Nante is nich dumm,
Nachgrade kriegt er Bildung,
Er dient ja stets dem Publikum,
Das sieht man an die Schildung.
Zu ihrem Dienst sehr gern bereit,
Wenn Sie`s befehlen, danz ich,
Und hat der Nante sich erfreut,
Da jubelt zwee und zwanzig.

Sie können dreiß auf Nanten bau`n,
Hab`n sie mal wat zu dragen,
Uff eens doch müssen sie stets schaun,
Das will ich ihnen sagen,
Ich drag zwar allens leicht und schwer
Grad ohne alle Pause;
doch bringen ihr Gunst sie her,
Die drag ick mir zu Hause.


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