Von dir muss ich scheiden

Von dir muß ich scheiden,
Prächtiges Berlin.
Alle meine Freuden,
Die f1iehen jetzt dahin.
Ich wünsch‘, daß alle andern
Aus den Thoren wandern;
Blieb ich nur in dir,
O wie wohl war mir!

Unter deinen Linden,
Wenn der Fruhling kam,
Kann man des Abends finden,
Was der Tag uns nahm:
Herzens-Ruh‘ und Starke,
Von des Tages Werke,
Und in des Madchens Arm
Ruht sich’s hold und warm.


 
Prachtiger Tiergarten,
Bald verlaß ich dich;
Ich kann nicht länger warten,
Weiter reis‘ jetzt ich.
Unter deinen Schatten,
Wie auch auf grüner Matten
Und an des Mädchens Brust
Ruht sich’s voller Lust.

Moabit und Pankow,
Wie auch Charlottenburg,
Künftig fahr‘ ich wieder
Eure Fluren durch.
Schöneberg vor allen,
In Templow hat’s mir gefallen.
Lebe wohl auch du,
Lichtenberg dazu.

In der Hasenheide
War ich oft vergnügt.
Wie auch so manche Freude
Mir darin verfliegt.
Stunden sind verflossen,
Die ich so süß genossen.
o du schöner Ort,
Warum muß ich fort?
 
Euch, ihr Tabagien,
Wo viel Jubelton,
Von euch muB ich f1iehen,
Dahin, wo Kummer wohnt,
In ein kleines Städtchen,
Da lebt man ohn ein Mädchen,
Man hat kaum ’s liebe Brod.
Still ist es, öd und tot.

Liebes Mädchen, lebe
Wohl, vergiß mein nicht.
Sieh‘, mein Aug‘ erhebet
Sich zu dir und spricht:
Lebe wohl auf immer,
Dein vergeß ich nimmer,
Bis einst des Todes Hand
Trennt auf unser Band.

Lebet wohl, ihr Freunde,
Gott verleih‘ euch Gluck!
Einmal kehr ich wieder
Nach Berlin zurück.
Lebet wohl, ihr Feinde
Wie auch ihr besten Freunde!
Bleibt ihr Linden grün,

Lebe wohl, Berlin !

 


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